Pflegegrad Kinder: Wie wird der Pflegegrad bei Kindern ermittelt?

02.10.2026 · 3 Min. Lesezeit · Noch nicht fachlich geprüft

Beim Pflegegrad Kinder gelten besondere Regeln. Ein kleines Kind braucht von Natur aus viel Hilfe. Pflegebedürftigkeit liegt deshalb nur dann vor, wenn der Hilfebedarf über das hinausgeht, was in diesem Alter üblich ist.

Vergleich mit gleichaltrigen Kindern

Bei pflegebedürftigen Kindern wird der Pflegegrad durch einen Vergleich der Beeinträchtigungen ihrer Selbständigkeit und ihrer Fähigkeiten mit altersentsprechend entwickelten Kindern ermittelt (§ 15 Abs. 6 SGB XI). Im Übrigen gelten dieselben Regeln wie bei Erwachsenen: sechs Module, Einzelpunkte, Gewichtung und Punktgrenzen (Pflegegrad berechnen).

Sonderregel für Kinder bis 18 Monate

Für Kinder im Alter bis zu 18 Monaten gelten abweichende Punktgrenzen (§ 15 Abs. 7 SGB XI):

Gesamtpunkte Pflegegrad
ab 12,5 bis unter 27 2
ab 27 bis unter 47,5 3
ab 47,5 bis unter 70 4
ab 70 bis 100 5

Kinder bis 18 Monate werden also bei gleichen Punkten einen Pflegegrad höher eingestuft als Erwachsene. Außerdem gibt es in Modul 4 für diese Altersgruppe ein eigenes Kriterium: Bei gravierenden Problemen bei der Nahrungsaufnahme mit außergewöhnlich pflegeintensivem Hilfebedarf werden 20 Punkte vergeben (Anlage 1 zu § 15 SGB XI). Mehr zu Modul 4: Selbstversorgung.

Vorversicherungszeit bei Kindern

Für versicherte Kinder gilt die Vorversicherungszeit als erfüllt, wenn ein Elternteil sie erfüllt (Vorversicherungszeit, § 33 SGB XI).

Leistungen für Eltern

Auch bei Kindern gilt: Leistungen gibt es erst ab Antragstellung (Antragsmonat). Eltern können Pflegegeld oder Sachleistungen nutzen, sich beraten lassen und Zeit für die Pflege beantragen (Pflegezeit).

Worauf Eltern bei der Begutachtung achten können

Auch für Kinder lohnt sich eine gute Vorbereitung. Halten Sie einige Tage fest, wobei Ihr Kind mehr Hilfe braucht als gleichaltrige Kinder, und schildern Sie diese Unterschiede konkret. Arztberichte, Therapieberichte und Entwicklungsbefunde helfen, den Hilfebedarf nachvollziehbar zu machen. Ein Pflegetagebuch kann dabei als Gedächtnisstütze dienen. Entscheidend ist nicht die Diagnose, sondern die Beeinträchtigung der Selbständigkeit im Alltag.

Pflegegrad-Rechner und Kinder

Unser Pflegegrad-Rechner richtet sich an Erwachsene. Für Kinder ist die Einschätzung nicht geeignet, weil der Vergleich mit altersentsprechend entwickelten Kindern nötig ist.

Häufige Fragen

Wird bei Kindern ein anderer Maßstab angelegt?

Ja. Es wird verglichen, wie selbständig ein Kind im Verhältnis zu einem altersentsprechend entwickelten Kind ist.

Warum steigt der Pflegegrad bei Kindern unter 18 Monaten?

Das Gesetz stuft diese Altersgruppe bei denselben Punkten jeweils einen Pflegegrad höher ein.

Brauche ich für mein Kind eine Diagnose?

Eine Diagnose allein reicht nicht aus und ist auch nicht allein entscheidend. Die Begutachtung bewertet, wie selbständig Ihr Kind im Vergleich zu gleichaltrigen Kindern ist. Befunde und Berichte helfen aber, den Hilfebedarf zu erklären.

Wo beantrage ich den Pflegegrad für mein Kind?

Bei der Pflegekasse des Kindes, wie bei Erwachsenen (Pflegegrad beantragen).

Quellen

Allgemeine Information, keine medizinische oder rechtliche Beratung. Über den Pflegegrad entscheiden die Begutachtung und der Bescheid der Pflegekasse.

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